Mein erstes Auto

Vier FR-Redakteure erinnern sich an ihren ersten fahrbaren Untersatz und die Abenteuer, die sie mit ihrem Auto erlebten (Auszug aus einem Artikel der Frankfurter Rundschau).

Licht aus dem Westen

Das Kind war da, ein Auto musste her. Man kann ja schlecht mit mit einem Säugling auf dem Land leben, ohne Chance, mal in die Stadt zu kurven.

Aber woher nehmen? In der DDR musste man sich erstmal hinten anstellen. Die Wartezeit für ein Auto betrug zehn bis 15 Jahre. Bis das Gefährt vor der Tür stünde, wäre der Sohn in der Pubertät. Und die Mutter versauert. Schlimme Aussichten.

Doch auch auf dem Weg zum Kommunismus gilt der Spruch: Wenn du denkst, es geht nicht mehr, kommt irgendwo ein Lichtlein her.

Familie mit Trabant
Die Autorin mit ihrem Sohn und dem vom Westen mitfinanzierten Trabbi.

In diesem Fall ging das Licht im Westen auf und nicht wie überall auf der Welt im Osten. Die Großfamilie, verstreut auf beide Deutschländer, machte es möglich. Die Ostfrau suchte sich in einem sogenannten Genex-Katalog einen weißen Trabant Kombi mit blauem Dach heraus, die Verwandtschaft in Karlsruhe überwies 8000 D-Mark (Wechselkurs D-Mark zu Mark DDR 1:1) an die DDR. Zwei Wochen später stand die funkelnagelneue Pappe vor der Ost-Tür.

Zwischen 1967 und 1989 säckelten die Einheitssozialisten über den von ihnen schon 1956 erfundenen ost-westlichen Geschenkedienst Genex so übrigens 3,3 Milliarden D-Mark ein.
Das hat die DDR am Ende zwar auch nicht gerettet, aber die Frau davor bewahrt, als trauriges Landei zu enden.

Katharina Sperber

Zum vollständigen Artikel in der Frankfurter Rundschau Online 

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