Fünf Dinge, die man über den Tenno wissen muss

Nach 30 Jahren hat Japans Kaiser Akihito endgültig abgedankt. Welche Aufgaben hat ein Tenno, wie der Herrscher in Japan genannt wird?

Aufgaben des Tenno

Japan ist eine parlamentarische Monarchie. Der Kaiser hat keine regierende Funktion, nur repräsentative Pflichten. Seine Reisen und öffentlichen Auftritte werden von der Regierung festgelegt. Laut der japanischen Verfassung ist der Tenno, wie der Kaiser in Japan genannt wird, ein „Symbol Japans und der Einheit des japanischen Volkes.“
Er und seine gesamte Familie leben zurückgezogen in einem Palast umgeben von einem großen Park mitten in der Hauptstadt Tokio. Sie müssen sich einem strengen Hofzeremoniell beugen. Mehr als 1.000 Beamte wachen über uralte Regeln, beispielsweise wie eine Teezeremonie ablaufen muss. Nur zweimal im Jahr – an seinem Geburtstag am 23. Dezember und zum Neuen Jahr am 2. Januar – spricht der Tenno zum Volk.

Der Geburtstag des Kaisers ist der japanische Nationalfeiertag und gesetzlicher Feiertag. Darüber hinaus eröffnet er unter anderem die Sitzungsperioden des Parlaments im Oberhaus, nimmt die Beglaubigungsschreiben ausländischer Diplomaten entgegen, zeichnet Gesetze gegen, kann sie aber nicht blockieren. Tenno heißt ins Deutsche übersetzt: himmlischer Herrscher. Als gottgleich gilt ein Kaiser seit 1945 allerdings nicht mehr.

Beziehung zu den Untertanen

Obwohl der Kaiser formalrechtlich nicht das Staatsoberhaupt ist, genießt er hohes Ansehen in der Bevölkerung. Seine Beileidsbekundung nach der Atomkatastrophe in Fukushima 2011, seine Besuche bei den Opfern trugen ihm viel Respekt ein.

Als Tenno hat er außerdem eine religiöse Funktion im Shintoismus, der neben dem Buddhismus wichtigsten Religion in Japan. „Shinto“ bedeutet „Weg der Götter“. Verehrt werden Naturkräfte, Berge, Seen, Flüsse, Tiere, Pflanzen und vor allem Sonne und Mond.

Die Gläubigen stellen sich ihre Gottheiten als menschenähnliche Natur- oder Ahnengottheiten vor. Im klassischen Shinto gibt es keine heiligen Schriften im Sinne eines religiösen Kanons. Glaubensinhalte werden weitgehend mündlich überliefert. Von 1868 bis 1945 war Shintoismus Staatsreligion.

Riten und Insignien

Jeder Kaiser wählt auf Vorschlag einer Expertenkommission für seine Amtszeit eine Devise. Stirbt er, wird ihm diese posthum als Name verliehen. Der verstorbene Vater von Kaiser Akihito hatte den persönlichen Namen Hirohito, seine Devise (1926 bis 1989) war „Showa“ (erleuchteter Friede). Er wird heute Showa-Tenno genannt.
Kaiser Akihitos Devise lautet „Heisei“ (Frieden schaffen). Wenn er von seinem Amt zurücktritt und der Kronprinz zum Tenno ernannt wird,  beginnt nach japanischer Zeitrechnung eine neue Ära – „Reiwa“ (Ordnung oder Harmonie).

Japaner zählen die Jahre nach der jeweiligen Ära eines Tenno und nicht nach dem uns geläufigen Kalender. Das kaiserliche Siegel zeigt eine stilisierte Chrysantheme mit 16 Blütenblättern. Es darf nur von Mitgliedern der kaiserlichen Familie verwendet werden. Dennoch ist es in Japan weit verbreitet, wird wie ein Staatswappen genutzt und ziert auch den japanischen Pass. Die Chrysantheme schmückt auch die Rückenlehne des Throns – einen schlichten schwarzen Stuhl. Der Tenno verfügt über drei Throninsignien: ein Schwert für Tapferkeit, ein Juwel für Wohlwollen, ein Spiegel für Weisheit. Nur der Kaiser und einige Priester dürfen sie anschauen.

Herkunft und Tradition

Japans Kaiserhaus ist nach eigenen Angaben weltweit die älteste ununterbrochene Erbmonarchie. Der Legende nach soll 660 vor Christus die Sonnengöttin Amaterasu ihren Sohn auf die Erde geschickt haben, um das Reich der aufgehenden Sonne zu gründen. Kaiser Akihito, der nun abdankt, ist der 125. Nachfolger des Sonnensohnes, sein Sohn und Kronprinz Naruhito wird der 126. Nachfahre sein.

Abdanken kann ein Kaiser eigentlich nicht. Ausschließlich für den heute 85-jährigen Akihito verabschiedete das Parlament 2017 ein Sondergesetz zur Demission. Sein Nachfolger muss wieder bis zu seinem Lebensende Kaiser bleiben. Ihm wird dann sein Neffe folgen, denn der Thron ist ausschließlich Männern vorbehalten. Der heute 59 Jahre alte Naruhito und seine Frau haben eine Tochter.

1945 – Wendepunkt der Monarchie

Während des Zweiten Weltkriegs bildete Japan unter Kaiser Hirohito eine Allianz mit den faschistischen Staaten Deutschland und Italien – die sogenannten Achsenmächte. Japan verübte schwere Menschenrechtsverletzungen während des Zweiten Weltkriegs. Allein 200.000 meist koreanische Mädchen und Frauen wurden als sogenannte Trostfrauen in japanischen Frontbordellen gefoltert und zum Sex gezwungen. Viele der Opfer in China, Korea und Südostasien meinen noch heute, der Tenno hätte vor Gericht gestellt werden müssen.

Am 15. August 1945 kapitulierte Japan, nachdem die USA am 6. Und 9. August Atombomben auf die japanischen Städte Hiroshima und Nagasaki abgeworfen hatten. Am Neujahrstag 1946 entsagte Hirohito auf Druck der USA seiner vermeintlichen Göttlichkeit. Der 124. Tenno saß insgesamt 62 Jahre auf dem Chrysanthemen-Thron, länger als jeder andere Herrscher in der japanischen Geschichte.

Dieser Artikel erschien zuerst bei heute.de, der Website des ZDF.

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