Afrika: Arm und reich zugleich

Das größte Problem, vor dem Afrika steht, ist sein rasantes Bevölkerungswachstum. Was ist das für ein Kontinent und was hat die Bundesregierung mit ihm vor? Ein Überblick.

Kontinent

Afrika ist gemessen an seiner geografischen Ausdehnung und Bevölkerungszahl der zweitgrößte der fünf Erdteile nach Asien. Es setzt sich aus 54 von den Vereinten Nationen (UN) anerkannten Staaten zusammen. In der Afrikanischen Union (AU), der internationalen Organisation, die den Kontinent vertritt, arbeiten allerdings 55 Staaten zusammen, weil Westsahara dazugehört, dessen völkerrechtlicher Status umstritten ist.

Der längste Strom ist der Nil mit 6.671 Kilometern. Die Wissenschaft von der Entstehung der Menschheit geht davon aus, dass Afrika die Wiege der Menschheit ist und die Menschen von dort die Erde besiedelten.

Bevölkerung

Afrika hatte nach Angaben der UN 2017 etwa 1,2 Milliarden Einwohner. Die Mehrheit davon lebt südlich der Sahara. In Nordafrika gibt es rund 210 Millionen Einwohner. Bis 2050 wird sich die Bevölkerung Afrikas von einer auf zwei Milliarden Menschen verdoppeln. Ein Viertel der weltweiten Erwerbsbevölkerung wird dann afrikanisch sein. Der bevölkerungsreichste Staat ist nach Angaben der Weltbank Nigeria mit rund 191 Millionen Einwohnern; der bevölkerungsärmste Staat die Seychellen mit 80.000 Einwohnern. Das größte Bevölkerungswachstum wird erwartet in der Sahelzone (Niger, Mali, Somalia und Tschad), die gleichzeitig zu den ärmsten Regionen zählt. Die größte Stadt Afrikas ist Kairo, die Hauptstadt Ägyptens mit ca. 15,7 Millionen Einwohnern.

Sprachen

Es gibt mehr als 2.000 eigenständige afrikanische Sprachen, von denen rund 50 als größere Sprachen gelten, die jeweils von über einer Million Menschen gesprochen werden. Einige der wichtigsten sind Swahili, Igbo, Hausa und Fulfulde. Englisch, Französisch und Portugiesisch sind verbreitete Amts- und Verkehrssprachen.

Religionen

Laut Auswärtigem Amt gehören rund 44 Prozent aller Afrikaner dem Islam an. Vor allem in West- und Südostafrika praktizieren 13 bis 20 Prozent traditionelle Religionen. Die restlichen sind Christen und leben vor allem im Süden Afrikas.

Gesundheit

Die durchschnittliche Lebenserwartung einer afrikanischen Frau liegt nach UN-Angaben bei rund 62 Jahren, die durchschnittliche Lebenserwartung eines afrikanischen Mannes bei rund 59 Jahren. Damit ist die Lebenserwartung weit niedriger als auf den anderen Kontinenten. Afrika ist nach Angaben der Deutschen Stiftung Weltbevölkerung auch der von HIV/AIDS am stärksten betroffene Kontinent.

Wirtschaft

In Afrika liegen laut Weltbank die zehn ärmsten Länder der Erde. Während jemand in Singapur, dem reichsten Land auf der Erde, ein Einkommen von durchschnittlich 216 US-Dollar am Tag hat, hat ein Mensch in der Zentralafrikanischen Republik täglich nur 1,80 US-Dollar zur Verfügung. Im mittleren und südlichen Afrika finanzieren sich die Staaten vor allem vom Export. Exportartikel sind Kakao (70 Prozent Weltmarktanteil), Diamanten (50 Prozent), Gold (25 Prozent), Erdöl (zehn Prozent). In den Städten gibt es größere Industrie- und kleinere Handwerksbetriebe, letztere produzieren vor allem für den Eigenbedarf. In einigen  Gegenden ist der Tourismus wichtige Einnahmequelle.  

In der Landwirtschaft wird häufig nur für den Eigenbedarf produziert. Laut einer Studie der University of Oxford leiden besonders 180 Millionen Menschen in der Subsahara unter einer rapiden Verschlechterung der Böden durch Misswirtschaft und Klimawandel. So entstehen jährlich Einbußen von 68 Milliarden US-Dollar.

Chinas Engagements in Afrika

China investiert seit circa 15 Jahren in Afrika. Der Handel stieg in diesem Zeitraum von 10 auf 170 Milliarden US-Dollar. Rund eine Million Chinesen arbeiten in Afrika. Mehr als 10.000 chinesische Firmen sind aktiv. Lange galt das Verhältnis als Win-win-Beziehung, unter anderem auch, weil Peking keine politischen Bedingungen wie Kampf gegen Korruption, Verbesserung der sozialen Verhältnisse und gute Regierungsführung verlangt.

China lässt sich sein Engagement allerdings teuer bezahlen. Nach Berechnungen der China-Afrika-Forschungsinitiative der Johns-Hopkins-Universität in den USA stehen Afrikas Staaten bereits mit 130 Milliarden US-Dollar bei China in der Kreide. Dschibuti ist zum Beispiel mit 88 Prozent seines Bruttoinlandsprodukts in China verschuldet. 2005 hatten die sieben größten Industrienationen und Russland (G8) einen Schuldenerlass für 18 afrikanische Länder beschlossen. Inzwischen stecken sechs wieder in Zahlungsnöten, neun weitere stehen davor.

Deutschlands Engagement in Afrika

Im Koalitionsvertrag zwischen Union und SPD wird die Afrikapolitik besonders hervorgehoben. Sie soll Entwicklungszusammenarbeit und Investitionen aus der Wirtschaft zusammenbinden. 2017 hatte die Bundesregierung zwei Initiativen gestartet: Während ihrer G20-Präsdientschaft hatte sie erstens das Programm „Compact with Africa“ (CwA) aufgelegt. Es soll dafür sorgen, dass mehr Privatinvestitionen nach Afrika fließen. 

Auf Initiative des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) wurde zweitens der „Marshallplan mit Afrika“ entworfen. Er soll Wirtschaft und Rechtsstaatlichkeit stärken und Stabilität sichern.

Im Oktober 2018 empfing Bundeskanzlerin Angela Merkel elf Staatschefs der CwA-Länder in Berlin und versprach mehr „staatliche Unterstützung privater Investitionen“. Der Afrika-Verein der deutschen Wirtschaft (AV), dem rund 500 Firmen angehören, verlangt seit langem bessere Finanzierungs- und Absicherungsmöglichkeiten und mehr Bürgschaften für mittelständische Betriebe. Dafür sollten Mittel aus der Entwicklungszusammenarbeit zur Verfügung gestellt werden.

2016 zahlte Deutschland rund fünf Milliarden Euro für die öffentliche Entwicklungszusammenarbeit mit Afrika. Menschenrechtsgruppen und Nichtregierungsorganisationen kritisieren das CwA-Programm, weil verbindliche Umwelt-, Sozial- und Menschenrechtsstandards fehlten und der ländliche Raum außen vor bliebe.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.